Am 11. September 2026 feierte der Get active Social Business Award sein 20-jähriges Bestehen an der WU Wien. Seit 2007 wurden 1.187 Projekte eingereicht; zum Jubiläum richtete sich die Einladung jedoch nicht an neue Bewerber:innen, sondern an jene, die den Award über zwei Jahrzehnte als Teilnehmer:innen und Wegbegleiter:innen geprägt haben. Im Rahmen des Abends wurden drei ehemalige Siegerprojekte ausgezeichnet, die das Jubiläums-Advisory-Board ausgewählt hatte, und drei Persönlichkeiten geehrt, die den GASBA über viele Jahre mitgetragen haben.
Der Festsaal der WU Wien war gut gefüllt: Finalist:innen aus allen Jahrgängen seit 2007 kamen ebenso wie Coaches, Jurymitglieder sowie Vertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Viele von ihnen kennen einander seit Jahren, manche sahen sich an diesem Abend erstmals seit ihrer eigenen Teilnahme wieder.
Nach der Begrüßung durch den Rektor der WU Wien, Univ.-Prof. Dr. Rupert Sausgruber, sprach Philipp Bodzenta, der den Award 2007 für Coca‑Cola Österreich initiiert hat. Bildungsminister Christoph Wiederkehr wandte sich in einer Videobotschaft an die Community, bevor Otto Hirsch, Unternehmer und langjähriges Mitglied des GASBA Advisory Boards, aus unternehmerischer Perspektive auf die Rahmenbedingungen einging, unter denen Sozialunternehmen in Österreich arbeiten.
Matthias Lovrek, Mitgründer von Sindbad Social Business, stellte anschließend das Social Entrepreneurship Network Austria (SENA) vor, dessen Netzwerk er selbst angehört. Als Interessenvertretung der Sozialunternehmer:innen in Österreich bietet SENA seinen Mitgliedern unter anderem kostenlose Beratung, Workshops und regelmäßige Community-Events sowie Kontakte zu Investor:innen und Fördergeber:innen. Damit richtet sich das Angebot gerade an jene, die ihr Projekt nach dem GASBA weiterentwickeln und den Austausch mit der Szene fortführen möchten.
Im Mittelpunkt des Abends stand eine Gesprächsrunde, die Karin Bauer, Journalistin, Moderatorin und Podcasterin sowie ehemalige Redakteurin bei DER STANDARD, moderierte. Gemeinsam mit Michael Meyer vom NPO & SE Kompetenzzentrum der WU Wien, Christian Horak von EY-Parthenon und Mag.a Katharina Turnauer diskutierte sie, was sich in 20 Jahren verändert hat: von der Professionalisierung der Szene über den Zugang zu Kapital bis zur Frage, welche Förderstrukturen soziale Innovation heute tatsächlich voranbringen.
Wer die Diskussion vertiefen möchte, kann einen Teil des Abends nachhören: Karin Bauer und Michael Meyer haben eine Folge ihres Podcasts live an der WU Wien aufgezeichnet, die sich mit 20 Jahren Social Business in Österreich beschäftigt.
Musikalisch begleitete César Sampson den Abend, im Anschluss übernahm der Firefly Club. Viele Gespräche setzten sich dabei abseits der Bühne fort, zwischen Menschen, die seit Jahren am selben Thema arbeiten, wenn auch in unterschiedlichen Rollen und aus unterschiedlichen Generationen.
Anlässlich des Jubiläums wurden drei ehemalige Finalist:innen des Awards für einen Jubiläumspreis ausgezeichnet. Über die Vergabe von insgesamt 20.000 Euro entschied ein Jubiläums-Advisory-Board im Online-Voting, dem fast ausschließlich Persönlichkeiten angehörten, die den GASBA über viele Jahre als Mitglieder des Advisory Boards begleitet haben.
1. MindEcho
Das Social-Tech-Startup, Siegerprojekt des GASBA 2025, entwickelt eine KI-gestützte App, die individuelle Lautmuster von Menschen mit eingeschränkter Lautsprache in verständliche Sprache übersetzt. Betroffene erhalten damit ein eigenständiges Kommunikationswerkzeug, das in Österreich für über 60.000 Menschen relevant ist. Mehr über das Siegerprojekt 2025 lesen Sie hier.
2. Grow Together
Der von Katharina Kruppa gegründete Verein wurde 2013 mit dem GASBA ausgezeichnet und begleitet Familien in psychosozial extrem belasteten Lebenslagen ab der Geburt eines Kindes, bindungsorientiert und aufsuchend. Ziel ist es, Fremdunterbringungen zu verhindern und Kindern faire Startchancen zu sichern. Nach Angaben des Vereins spart jeder investierte Euro der Gesellschaft rund 22 Euro an Folgekosten.
3. NACHBARINNEN
Auch NACHBARINNEN, gegründet und geführt von Dr.in Christine Scholten, zählt zu den GASBA-Siegerprojekten des Jahres 2013. Ausgebildete Sozialassistentinnen begleiten isoliert lebende Frauen aus ihren eigenen Communities in ihrer Muttersprache, etwa durch Lernhilfe und aufsuchende Beratung; eine eigene Upcycling-Nähwerkstatt eröffnet zusätzlich einen Weg in die berufliche Teilhabe. Seit seiner Gründung hat der Verein rund 23.000 Menschen erreicht.
Neben den Projekten wurden drei Persönlichkeiten mit einem Anerkennungspreis für langjähriges Engagement ausgezeichnet. Die Auswahl traf eine Jury aus Michael Meyer, Christian Horak, Philipp Bodzenta, Karin Bauer und Stefan Schöggl.
Verena Augustin steht hinter 0⋅8⋅16 – alles, außer gewöhnlich, einem Verein für individuelles Lernen. Nach ihrer eigenen Teilnahme am Award begleitete sie später als Coach selbst andere Projekte durch das Businessplan-Wochenende.
Gabriele Gottwald-Nathaniel, Gründerin des Upcycling-Unternehmens gabarage, kam ebenfalls als Teilnehmerin zum GASBA und blieb dem Award in der Folge als Coach verbunden.
Sonja Mitsche gewann 2007 mit 4everyoung den allerersten Award, der damals noch den Namen Ideen gegen Armut trug. Mit ihr war an diesem Abend die gesamte Geschichte des GASBA im Saal vertreten.
Dass zwei der drei Geehrten den Wechsel von der Bewerberin zur Beraterin vollzogen haben, steht beispielhaft für das, was den Award über die Jahre ausgemacht hat: ein Netzwerk, in dem Erfahrung weitergegeben wird und das heute weit mehr trägt als einzelne Projekte.
Seit 2007 sind über 1,8 Millionen Euro an Preisgeldern an mehr als 20 Start-ups und Projekte geflossen. Aussagekräftiger als diese Summe ist jedoch, was daraus entstanden ist: 64 Prozent der Gewinner:innen der vergangenen 20 Jahre sind heute noch aktiv. Zudem zeigen die SROI-Analysen der WU Wien, dass die untersuchten Siegerprojekte für jeden eingesetzten Euro im Schnitt einen gesellschaftlichen Mehrwert von 3,95 Euro schaffen.
Ein Award, der über 20 Jahre Bestand hat, ist nie die Leistung einer einzelnen Organisation, sondern das Ergebnis der Arbeit vieler Menschen, die ihm über lange Zeit verbunden geblieben sind.
Unser Dank gilt der WU Wien, die den GASBA seit 2007 wissenschaftlich begleitet, jede Einreichung gescreent und die Wirkung der Projekte messbar gemacht hat, sowie DER STANDARD für zwei Jahrzehnte redaktionelle Begleitung, durch die soziale Innovation in Österreich eine öffentliche Bühne erhalten hat. Ebenso danken wir den Mitgliedern von Jury und Advisory Board, die Jahr für Jahr Businesspläne gelesen, bewertet und diskutiert haben, und den Coaches, die Jahr für Jahr nach Stegersbach gekommen sind, um gemeinsam mit den Teams an deren Ideen zu arbeiten.
Der größte Dank gilt allen, die eingereicht haben, und nicht nur jenen, die es ins Finale geschafft haben. Ohne sie wäre der GASBA eine gute Idee geblieben.
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